Sucht im Alter: Ursachen, Risiken und Hilfsangebote

Suchterkrankungen können in jedem Alter auftreten. Manchmal verändert sich der Konsum im höheren Alter plötzlich: Medikamente werden ein ständiger Begleiter oder Alkohol spielt eine größere Rolle als zuvor. Das kann Betroffene und Angehörige belasten. Sie sind nicht allein!

Häufige Ursachen für Substanzkonsum im Alter

Belastende Lebensveränderungen als Auslöser

Die Entwicklung problematischer Konsummuster im höheren Lebensalter steht oft im Zusammenhang mit einschneidenden Veränderungen:

  • Verlust nahestehender Personen
  • Einsamkeit und soziale Isolation
  • Chronische Schmerzen und Erkrankungen
  • Pensionierung und Rollenverlust
  • Eingeschränkte Mobilität

Selbstmedikation: Der Versuch, Beschwerden zu lindern

In vielen Fällen liegt bereits vor den belastenden Ereignissen ein Konsum vor, der sich durch die Veränderung verstärkt. Betroffene versuchen durch Selbstmedikation, Schmerzen, Ängste oder Gefühle der Einsamkeit erträglicher zu machen. Dabei greifen sie auf Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen zurück.

Veränderte Wirkung mit zusätzlichen Risiken

Beispielsweise führt die gleiche Menge an Alkohol bei älteren Menschen zu einer höheren Konzentration im Blut, da der Wasseranteil im Körper niedriger ist als bei jungen Menschen. Dadurch ist eine Alkoholisierung im Alter schneller erreicht.

Auch Medikamente haben eine andere Wirkung als in jungen Jahren. Sie werden langsamer abgebaut, da Leber und Niere nicht mehr so schnell arbeiten.

Zu den zusätzlichen Risiken im Alter gehören:

  • ein stark erhöhtes Sturzrisiko
  • gefährliche Wechselwirkungen mit (anderen) Medikamenten
  • schnellerer körperlicher und geistiger Abbau
  • die Verstärkung von Demenz-Symptomen
  • zunehmende soziale Isolation.

All dies kann zu einer deutlich verringerten Lebensqualität im Alter führen.

Hinweis: Eine Suchtberatung kann helfen, die Lebensqualität wieder zu steigern, indem ein Umgang mit dem Konsum gefunden wird. In der Beratung wird verständnisvoll und professionell auf die aktuelle Situation geschaut. Wenn gewünscht, kann ein persönliches Ziel ausgearbeitet werden wie den Konsum zu reduzieren, eine Pause einzulegen oder ganz aufzuhören. Besprochene Strategien und Hilfestellungen helfen dabei, das Ziel einzuhalten. Hier finden Sie ausführliche Antworten auf viele Fragen rund ums Thema Suchtberatung.

Tipps für Angehörige

Sie sind nicht allein!

Auch für Angehörige ist die Situation häufig keine einfache. Geschwister, Kinder, Partner, Freunde – Sie alle leiden mit oder machen sich Sorgen, wo die betroffene Person eventuell gar kein Problem sieht. Das kann sehr belastend sein und Fragen aufwerfen. Deswegen sind Suchtberaterinnen und Suchtberater extra auch für Angehörige da, beraten, unterstützen und sind Ansprechpartner.

Betroffene unterstützen

Es gibt keine Blaupause für den perfekten Umgang mit der betroffenen Person, weil jede Situation individuell ist. Diese Schritte können Sie jedoch jederzeit gehen:

  • Sprechen Sie den Konsum wertfrei und offen gegenüber der betroffenen Person an. Tipps für das Gespräch: Senden Sie Ich-Botschaften, ermutigen Sie zu zum Reden und bleiben Sie ruhig, wenn die Person abwehrend reagiert.
  • Bieten Sie konkrete Unterstützung an. Fragen Sie beispielsweise, was der Person helfen würde.
  • Schlagen Sie professionelle Unterstützung vor. Recherchieren Sie beispielsweise eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe und suchen Sie gemeinsam den Kontakt. Das können sie analog tun oder digital über die DigiSucht Plattform.
  • Nutzen Sie auch Hilfsangebote für sich. In einer Beratung wird auch Ihnen geholfen, mit der Situation umzugehen, hilfreiche Unterstützung zu leisten oder Grenzen zu setzen.

Es ist nie zu spät für Veränderung

Veränderung ist in jedem Alter möglich. Betroffene fühlen sich dadurch wieder körperlich besser und verspüren mehr Lebensfreude. Eine Beratung ermöglicht, die Situation und Handlungsmöglichkeiten besser zu verstehen – auch für Angehörige.

Quellen und weitere Informationen:
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. (2020). Suchtprobleme im Alter. Hamm
  • Landesärztekammer Thüringen. (2019). Praxisleitfaden Suchtmedizin. Jena
  • Hoff, T., Kuhn, U., Kuhn, S. & Isfort, M. (2017). Sucht im Alter – Maßnahmen und Konzepte für die Pflege. Springer: Berlin, Heidelberg
  • Bildquelle: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com